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Thomas Bachem wünscht sich ein praxisnahes Informatik-Studium. Deswegen hat er gemeinsam mit zwei Gründungsmitgliedern der CHANCEN eG die CODE University gestartet. Wir haben mit ihm über die Hintergründe und das didaktische Konzept der CODE gesprochen.

Warum wollt ihr eine Hochschule für digitale Produktentwicklung gründen?

Die Gründungsidee ist aus meiner privaten Erfahrung heraus entstanden. Seit meinem 12. Lebensjahr programmiere ich, konnte jedoch nach der Schule keinen passenden Studiengang finden, der mich als Softwareentwickler weitergebracht hätte. Das möchte ich jetzt gerne ändern und die junge Generation über ein innovatives Lernkonzept auf die Herausforderungen eines völlig neuen digitalen Ökosystems vorbereiten.

Bisher steht jungen Leuten, die lernen wollen wie man digitale Produkte entwickelt, nur ein sehr theorielastiges Informatikstudium zur Auswahl. In der Softwarebranche hingegen schaffen wir vor allem kreative Berufe und suchen Leute die unkonventionell und gegen den Strich denken. Informatik-Studenten, die in den ersten zwei Jahren vorwiegend Mathematik und Elektrotechnik machen und oftmals nicht ein einziges Mal programmieren, sind mit diesen Anforderungen häufig überfordert.
Mein Studium an einer kleinen Privatuni habe ich damals als sehr positiv erlebt. Daher habe ich mich gefragt, warum es so viele gute Angebote im Wirtschaftsbereich, aber kaum hochwertige Angebote im Bereich Softwareentwicklung gibt. Das war vor 12 Jahren – seitdem hat sich leider wenig verändert, aber die Nachfrage nach Entwicklern, Designern und digitalaffinen Absolventen ist immer weiter gestiegen. Diese Lücke möchten wir durch ein Studienangebot mit intelligent integrierter beruflicher Praxis schließen.

Was macht die CODE anders als klassische Hochschulen?

Was uns von anderen Hochschulen grundlegend unterscheidet, ist unser didaktisches Konzept. Die wichtigsten Säulen sind dabei unsere radikale Kompetenzorientierung und das projektbasierte Lernen in interdisziplinären Teams. Unsere Studierenden arbeiten vom ersten Semester an realen Projekten, größtenteils zusammen mit Partnerunternehmen. Dabei werden sie unmittelbar mit realen Problemen konfrontiert und können so abgleichen, welche Kompetenzen ihnen fehlen, um das Projekt voranzutreiben.

Ausgehend von diesem Lernimpuls präsentieren sie dann ihre Probleme bzw. Lösungsansätze in den passenden Expertenworkshops und Seminaren und erhalten von ihren Kommilitonen und Professoren Feedback, Tipps und Hinweise.

So bietet unsere Hochschule den Studierenden die Möglichkeit, anhand von konkreten Problemen und Lösungen die dahinter liegenden Grundlagen und Methoden zu verstehen.

Gleichzeitig können sich Kommilitonen aus den drei Studiengängen systematisch untereinander austauschen und voneinander lernen. Das neu gesammelte Wissen wird dann im jeweiligen Projekt eingesetzt und direkt auf seine Praxistauglichkeit getestet.

Neben der praktischen Projektorientierung haben wir aber auch einen umfassenden Bildungsanspruch. Der zeigt sich vor allem in unseren „Science, Technology & Society“ – Modulen, in denen unsere Studierenden lernen, Spannungsverhältnisse zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu beleuchten und kritisch zu reflektieren.

Wer lehrt denn an der CODE?

Unser pädagogisches Konzept des erfahrungsbasierten Projektlernens in interdisziplinären Teams verlangt, dass Professorinnen und Professoren neue Rollen einnehmen. Sie entwickeln sich von klassischen Wissensvermittlern hin zu Mentoren, Projektgestaltern und Lernbegleitern, deren Hauptaufgabe es sein wird, Studierende für herausfordernde Projekte zu begeistern sowie eigenständiges Lernen, kreatives Problemlösen und kritisches Denken zu initiieren.

Die dynamischen Anforderungen der Digitalbranche erfordern anpassungsfähige Köpfe, die immer einen Schritt vorausdenken. Das soll sich auch in unserem Lehrplan widerspiegeln, der kontinuierlich aktualisiert wird: Die Professoren und Professorinnen sind dafür verantwortlich, das Lernkonzept mitzugestalten, umzusetzen und weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch, freie Dozenten in die Lehre einzubinden, die direkt aus der Internetwirtschaft oder von Startups kommen und Fachwissen und Erfahrung einbringen.

26.928 Euro für das gesamte Studium. Das ist sehr viel Geld. Schließt ihr damit nicht Zielgruppen aus?

Als private Hochschule bekommen wir keine Unterstützung vom Staat und müssen uns deshalb vorallem über die Studiengebühren refinanzieren. Das macht uns als Hochschule unabhängig. Wir haben uns deshalb bewusst dazu entschieden, Partnerhochschule der Chancen eG zu werden, weil es uns wichtig ist, die größten Talente anzuziehen und nicht nur diejenigen Bewerber mit dem dicksten Geldbeutel. Das Modell der Chancen eG vergrößert unseren Bewerberpool und eröffnet allen menschlich und fachlich geeigneten Talenten die gleiche Bewerbungschance. Zudem signalisiert der UGV auch, dass wir an unsere Studierenden und ihren Erfolg glauben.

An anderen privaten Hochschulen gibt es ähnliche Modelle. Das besondere an der CODE ist, dass jede Bewerberin und jeder Bewerber das Modell in Anspruch nehmen kann. Derzeit sieht es so aus als würden 80% aller Bewerber das auch tun.

Aber auch Studierenden, deren Eltern das Studium zahlen könnten, würde ich das Modell empfehlen: Die Finanzierung über die Chancen eG ermöglicht ihnen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und sich auf diese Weise auch ein Stück weit von den Eltern zu emanzipieren – denn dank des UGV wird ihr „zukünftiges Ich“ die Kosten für das Studium tragen.

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