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von Lisa Rheinheimer,
MSc Geografie und Projektkoordinatorin des Forschungsnetzwerkes Geo.X

Ich war sehr lange davon überzeugt, formelle Bildung eröffne die gleichen Chancen für alle. Im Laufe meines eigenen Studiums und Berufseinstiegs stolperte ich jedoch über jede Menge Unterschiede. Diese Geschichte teile ich mit vielen Anderen. Aus diesem Grund möchte ich in dieser Kolumne erzählen, was mir persönlich geholfen hat, mit Differenzen umzugehen und hoffe, dafür sensibilisieren zu können, dass ein Bildungsaufstieg nicht nur rein finanzielle Fragen betrifft.

Ich sah mich in den Strukturen und Gepflogenheiten der akademischen Welt oft mit Fragen und Zweifeln konfrontiert, bei denen mir meine Eltern, beide Nicht-Akademiker, nicht weiterhelfen konnten. Sie hatten keine Vorstellung von Abläufen und Regeln an der Uni, sie mussten häufiger nachfragen, um zu verstehen, was ich studiere und ob mir dieses Fach später ein Auskommen sichern würde. Die Nachfragen spiegeln eine gewisse Lebenseinstellung wider, gegen die ich meine akademische Ambition und den entsprechenden Lebensstil erst einmal durchsetzen musste.

Folglich sah ich mich nach zusätzlicher Unterstützung zur Verwirklichung meiner Karriereentscheidungen um. Im gutbürgerlichen Dunstkreis meiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Ev. Kirche fand ich Menschen, die mir nicht nur Ratschläge geben, sondern auch ein Rollenvorbild sein konnten. Mit ihnen konnte ich meine persönlichen Entwicklungsprozesse in meiner Lebenswelt diskutieren, die sich plötzlich von der meiner Eltern unterschied. Dieser Austausch war verbunden mit Ermunterung oder kritischen Fragen und dadurch enorm fruchtbar für mich. Diese Menschen bezeichne ich heute gerne als meine Mentor*innen. Sie waren – oder sind es noch – Sparringspartner für mich oder haben Kontakte hergestellt, die meine Kommiliton*innen aus Akademiker-Kreisen zumeist über den Bekanntenkreis ihrer Eltern akquirierten.

Die ehrenamtliche Tätigkeit gab mir außerdem die Möglichkeit, mich entsprechend meiner Stärken in verantwortungsvolle Gestaltungsbereiche einzubringen und ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, das ich von zuhause nicht unbedingt mitbrachte. Mit einer unvoreingenommenen Offenheit haben meine Mentor*innen in meinem Leben vieles richtig und damit einen großen Unterschied gemacht. Auch heute im Berufsleben noch profitiere ich von diesen Menschen und ihrem Erfahrungsschatz. Denn Arbeiterkind sein endet nicht automatisch mit erfolgreichem Studienabschluss.

Mein persönliches Plädoyer an dieser Stelle lautet deshalb: Arbeiterkinder brauchen mehr als rein formelle Unterstützung. Sie brauchen eine ganze Menge zugewandter Mitmenschen, die als Mentor*innen und Rollenvorbilder einspringen. Personen, wie du und ich, die zwischen den Welten vermitteln und bereit sind, ihre eigene Filterblase zu verlassen, um andere aufzubrechen.

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