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Digitale Lehre – ein Erfolgsrezept für Bootcamps auch schon vor Corona

Das Konzept von CareerFoundry ist seit der Gründung des Bootcamp-Anbieters 2013 nur auf eine Online-Lehre ausgelegt. Wie es zur Entstehung kam, warum jeder Kurs digital angeboten wird und welche Unterstützung den Kursteilnehmer*innen angeboten wird, haben wir bei Geschäftsführer Martin Ramsin nachgefragt.

Herr Ramsin, wie kam es zur Entstehung von CareerFoundry und was unterscheidet Sie von anderen Bootcamps? 

Die Idee dazu hatte ich 2013, als ich einen Online-Kurs zum Erlernen einer Programmiersprache machte. Ich hatte zuvor meinen Job in einem Startup verloren und somit etwas freie Zeit zur Verfügung, also beschloss ich, dieses kostenlose Tutorial zu machen. Am Ende war ich der einzig verbliebene Teilnehmer und ich fragte mich: „Warum muss Online-Lernen so einsam sein, während das Lernen in einem echten Klassenzimmer voller Menschen ist?” 

Viele andere Bootcamps fanden (zumindest vor Corona) vor Ort statt. Wo liegen die Herausforderungen in der digitalen Lehre im Vergleich zu Kursen vor Ort?

Die Online-Bildung hat eindeutige Vorteile gegenüber der Offline-Bildung: Sie ist leichter zugänglich für Menschen, die ihren Job auch während einer Weiterbildung nicht aufgeben können und sie ist erschwinglicher. Aber es bringt auch eigene Herausforderungen mit sich: Es ist schwieriger, motiviert zu bleiben als in einem Klassenzimmer, wo man eine*n Lehrer*in und andere Schüler*innen hat. Daher haben viele Online-Kurse eine sehr hohe Abbruchquote von über 90 Prozent. Die zentrale  Herausforderung ist es also, in einem zehnmonatigen Kurs motiviert die notwendige Arbeitszeit zu investieren. Unsere Abbruchquote liegt mit 40 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt von 90 Prozent, was auf unseren menschenzentrierten Ansatz und unser Unterstützungssystem zurückzuführen ist. Diese sorgen für die notwendigen zwischenmenschlichen Beziehungen und eine hohe Verbindlichkeit. 

A propos Zukunft – wie sehen die Zukunftspläne von CareerFoundry aus?

Wir bauen derzeit zwei weitere Kurse auf, die nächstes Jahr beginnen – Details kann ich aber noch nicht verraten. Denn die Entwicklung eines Kurses dauert ein Jahr und ist für uns eine große Investition. Aber die Nachfrage ist groß. Später wollen wir jährlich  ein oder zwei weitere Kurse aus weiteren Bereichen anbieten und kein reines Design- oder Entwicklungs-Bootcamp bleiben. 

Zurück in die Gegenwart – Wie finanzieren Ihre Teilnehmer*innen ihre Kursgebühren? 

Etwa die Hälfte unserer Studierenden kommt aus den USA; dort ermöglichen die Anbieter von Studienkrediten die Kursteilnahme. Ein Viertel unserer Studierenden kommt aus Deutschland, wo die Agentur für Arbeit arbeitslosen Menschen teilweise unsere Kurse finanziert. Ich freue mich sehr über die Partnerschaft mit der CHANCEN eG, durch die wir die Umgekehrten Generationenverträge anbieten können. So können wir unsere Kurse für Menschen erschwinglicher machen, die berufstätig sind, sich aber für eine bessere und zukunftssichere Karriere entscheiden. Zudem haben wir Teilnehmende aus Südamerika und Mexiko über asiatische Länder bis in den Süden Afrikas. Unsere Studierenden sind im Durchschnitt 25 bis 40 Jahre alt. Mehr als die Hälfte hat einen Bachelor-Abschluss, aber noch keine Erfahrung in ihrem neuen Fachgebiet. Etwa 60 Prozent sind Frauen. Die Mehrheit ist vollzeitbeschäftigt, während ein Drittel unserer Studierenden sich nebenbei um Angehörige kümmern. Häufig fühlen sich unsere Teilnehmenden in ihrem derzeitigen Beruf festgefahren. Sie wollen in den IT-Bereich wechseln, weil dieser eine bessere Vergütung verspricht und mehr Flexibilität und Kreativität bietet. 

Ihr Versprechen lautet, dass man am Ende des Bootcamps bereit für den Jobeinstieg ist. Kann CareerFoundry wirklich nach wenigen Monaten schaffen, wofür andere ein ganzes Studium brauchen? 

Nun, zum einen sind unsere Kund*innen keine 18 Jahre mehr jung; sie können auf ihren bereits gesammelten Erfahrungen aufbauen. Zudem unterrichten wir auf eine viel effizientere Weise als Universitäten, nämlich mit  “Learning by Doing”. Hier erhalten die Studierenden direktes Feedback, ihre Lernkurve wird steiler. Und während ein*e Schullehrer*in bis zu 30 Schüler*innen zu betreuen hat, bieten wir bei CareerFoundry eine persönliche Beziehung zwischen den Studierenden und ihren Tutor*innen.

Welche Aufgabe haben die Tutor*innen?

Jeder*m Studierenden stehen ein*e Mentor*in und ein*e Tutor*in zur Seite. Mentor*innen haben mindestens zehn Jahre Berufserfahrung und werden bei Bedarf konsultiert, etwa bei der Arbeit am eigenen, digitalen Portfolio ( IT-Projekte, präsentierbar bei  potenziellen Arbeitgebern) oder bei Fragen zur beruflichen Neuorientierung. Tutor*innen sind Nachwuchsspezialist*innen auf dem jeweiligen Gebiet. Sie unterstützen die Studierenden mit ständigem Feedback. Dann gibt es noch die Karrierespezialist*innen, die zur Halbzeit  dazukommen, um gemeinsam  über die nächsten Schritte nachzudenken. 

Wie unterstützt CareerFoundry die Jobsuche der Absolvierenden genau?

Die Berufsvorbereitung ist Teil des Programms: Unsere Teilnehmenden arbeiten mit den Karrierespezialist*innen daran, sich zu präsentieren, ihren Lebenslauf zu erstellen, sich ein Netzwerk aufzubauen, Bewerbungsgespräche zu führen oder über ihre Stärken zu sprechen. So können sie gut vorbereitet in die Stellensuche gehen.

Sie werben mit einer Jobgarantie und “Geld zurück”, falls man sechs Monate nach Abschluss des Bootcamps keine Stelle gefunden hat. Diese Arbeitsplatzgarantie klingt nach einem kühnen Versprechen! 

Wir bieten in allen Kursen eine Jobgarantie. Wenn unsere Absolvent*innen keine Stelle finden, können sie die Gebühren zurückfordern. Glücklicherweise kommt dies nur selten vor: Weniger als ein Prozent der Absolvent*innen müssen auf  diese Garantie zurückgreifen. Die meisten finden recht schnell nach ihrem Abschluss eine Stelle, und einige finden sogar schon während des Kurses einen Job. Die Jobgarantie ist sicherlich ein unternehmerisches Risiko – aber es ist uns wichtig, zu vermitteln, dass die Kurse funktionieren, damit sich die Menschen auch trauen, den gewünschten Berufswechsel anzugehen.

Martin Ramsin, Gründer und Geschäftsführer von CareerFoundry


Mehr Infos über CareerFoundry und deren Kursangebote sind auf unserer Website und der von CareerFoundry zu finden.

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